Erbrecht unter Ehegatten

Erbrecht unter Ehegatten

Die Zeiten, in denen man wegen eines Kindes heiraten musste, sind zum Glück längst vorbei. Trotzdem ist das erste Kind in vielen Fällen der Auslöser, die bestehende Partnerschaft in einen passenden rechtlichen Rahmen zu bringen. Und das ist eine Heirat aus rechtlicher Sicht auch: Ein klar geregeltes Verhältnis zwischen Mann und Frau. Dieser rechtliche Rahmen mag sich in den vergangenen 100 Jahren stetig verändert haben. Im Grundsatz basiert er aber immer noch auf einem Konzept, welches mit der heutigen Zeit nicht allzu viel zu tun hat. Exemplarisch für diese gewachsene Struktur ist das Erbrecht unter Eheleuten.

Bis dass der Tod Euch scheidet

Beim Erben geht es historisch gesehen darum, die Lebensgrundlage der Sippe zu erhalten. Sippe bedeutet in diesem Zusammenhang in erster Linie die nächste Generation, also die Abkömmlinge: Kinder, Großkinder und Urgroßkinder. Erst danach werden die Eltern, die Geschwister und deren Abkömmlinge bedacht.

Völlig systemfremd ist der Ehegatte. Denn dieser ist zwar der Sippe zugehörig, aber nicht verwandt. Weil aber das Vererben dazu dient, die Blutlinie weiterzuführen, ist das Erbrecht unter Ehegatten irgendwie eine Hilfskonstruktion. Auf jeden Fall hat es wenig mit dem heutigen Leben zu tun.

In der Praxis ist es so, dass man in den meisten Fällen den erbberechtigten Ehegatten mit der Ehefrau gleichsetzen kann. Dafür gibt es zwei einleuchtende Gründe: Noch immer ist die Ehefrau in der Regel jünger als ihr Partner. Und die Lebenserwartung von Frauen ist höher als jene von Männern. Wobei es um die Lebenserwartung verheiratete Männer deutlich besser bestellt ist als bei ledigen.

Trotzdem ist es die Ehefrau, welche in den meisten Fällen erbt.

Beim Erben geht es nicht nur um Geld

Erben ist ein hochemotionaler Vorgang, welcher mit dem reinen Vermögensübertrag wenig zu tun hat. Wir wollen hier aber den Aspekt der verletzten Gefühle, der offenen Rechnungen und der Habgier vieler Menschen einfach einmal ausblenden, sondern uns der Sache rein rational nähern.

Tatsache ist, dass unsere Gesellschaft nicht mehr so organisiert ist, dass das Überleben von der Sippe abhängt. Der wirtschaftliche Fortschritt einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft hat dafür gesorgt, dass jeder einzelne Mensch unabhängig von seiner Familie überleben kann. Und es in den allermeisten Fällen auch problemlos tut. Auf ein Erbe ist man heute also nicht mehr angewiesen – eher auf eine gute Bildung und Ausbildung.

Weshalb das Erbrecht unter Ehegatten heute wichtiger ist wie vor 100 Jahren

Genau genommen besteht die Sippe also nicht mehr im gesamten Familienverbund, sondern nur aus den Eheleuten, welche eine gemeinsame wirtschaftliche Einheit bilden. Zerbricht diese Einheit, zerbricht das wirtschaftliche Fundament. Oft ist es deshalb bei einer Scheidung für die nun getrenntlebenden Ehegatten nicht mehr möglich, denselben Lebensstil zu führen, wie zuvor. Regelmäßig ist es die Frau, welche am meisten darunter zu leiden hat. Dies ist in jenen Fällen besonders deutlich zu sehen, wo die Frau nicht nur Gattin, sondern auch Mutter war. Dieser Funktion opfern Frauen in der Mehrzahl aller Fälle – im Vertrauen auf eine gemeinsame Zukunft – ihre beruflichen Perspektiven. Ob dies nun ganz oder teilweise geschieht, ist nicht von Belang. Alleine der Entscheid führt dazu, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben.

Am einfachsten und deutlichsten lässt sich dies bei der Altersvorsorge zeigen. Vergleicht man nämlich die Ansprüche der Frauen gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung, mit jenen der Männer, wird die wirtschaftliche Tragweite einer Mutterschaft deutlich.

Und genau um diesen Punkt geht es, wenn wir darauf hinweisen, das Erbrecht unter Ehegatten im Zusammenhang mit einer Mutterschaft genau zu betrachten. Mit dem ersten Kind fließt im Todesfall des Vaters, ein großer Teil des Vermögens ab. Wann man nichts dagegen tut.

Nur die private Altersvorsorge schützt vor Altersarmut

In einer Gesellschaft, in welcher die private Altersvorsorge ein zunehmend stärkeres Gewicht bekommt, ist dieser Vorgang für den überlebenden Ehegatten bitter. Besonders bitter für die Ehegattin, denn deren eigene Vorsorge meist schwach und die verbleibende Lebenserwartung lang ist. Sie muss also die Rentenlücke mit weniger Geld auf mehr Jahre verteilen.

Deshalb fordern wir schon junge Mütter dazu auf, sich konkrete Gedanken über das Erbrecht unter Eheleuten zu machen. Nutzen sie die Zeit vor der Geburt ihres ersten Kindes dazu, sich mit Ihrem Mann zu unterhalten und eine gemeinsame Lösung zu finden. Später wird Ihnen die Zeit fehlen und sie werden hundert Gründe finden, dieses Thema auf die lange Bank zu schieben. Bis es zu spät ist und nichts mehr korrigiert werden kann.

Wenn Sie sich dazu entschließen, die Rahmenbedingungen die das Erbrecht unter Ehegatten als Standard vorgibt unverändert zu übernehmen, ist das Ihr gutes Recht. Wenn sie es aber tun, weil sie sich nicht darum gekümmert haben, werden Sie das möglicherweise bitter bereuen. Das muss nicht sein.

 

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