Das Prinzip des Erbens

Das Prinzip des Erbens

Das Prinzip des Erbens

Was Mütter über das Erben unbedingt wissen müssen

In der Vergangenheit bestand die Altersvorsorge darin, zu heiraten und möglichst viele Kinder auf die Welt zu setzen. Entsprechend entstand ein Erbrecht, welches ganz darauf ausgerichtet ist, das aufgebaute Vermögen und die damit verbundenen Einkommensquellen innerhalb der Familie im engeren und danach der Sippe im weiteren Sinne zu sichern. Dieses gewachsene Rechtsgebäude steht inzwischen weitgehend im Widerspruch zu gesellschaftlichen Entwicklungen, welche spätestens ab den 50er Jahren in eine ganz andere Richtung laufen: Die Familien werden kleiner, der Zusammenhalt brüchiger, das Haltbarkeitsdatum kürzer. Kommt dazu, dass die klassische Familie, so wie es sich konservative Kreise es sich vorstellen, nach und nach durch alternative Konstrukte aufgelöst werden.

Das Prinzip des Erbens – eine Reise in die Vergangenheit

Nur das Erbrecht bleibt. Und genau deshalb müssen Mütter das Prinzip des Erbens sehr genau kennen, wenn sie Falle eines vorzeitigen Todes ihres Lebenspartners nicht eine böse Überraschung erleben möchten. Auf mutterschutz.org finden Sie zu diesem Thema deshalb alles, was Sie wissen müssen.

Wer erbt?

Dafür sorgt Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sorgt dafür, dass immer vererbt wird und dass niemand ohne Erben stirbt. Dabei gilt der Grundsatz, dass in erster Linie die Verwandten ins Erbe eintreten können. „In erster Linie“ ist im Erbfall wörtlich zu nehmen. Denn das BGB teilt die Verwandtschaft in Gruppen, sogenannte Ordnungen auf. An erster Stelle stehen dabei die Abkömmlinge des Erblassers, die nachfolgenden Ordnungen zeichnen sich durch einen abnehmenden Verwandtschaftsgrad aus.

1. Ordnung                     Die Kinder und deren Nachfahren

2. Ordnung                     Die Eltern und deren Nachfahren

3. Ordnung                     Die Großeltern und deren Nachfahren

4. Ordnung                     übrige Verwandte des Erblassers

Vererbt wird also in erster entlang der Blutlinie nach unten. Das bedeutet, dass der Erbanspruch zuerst den eigenen Kindern zufällt. Deren Ansprüche gehen im Todesfall auf deren Nachfahren über. Solange Mitglieder einer unteren Ordnung vorhanden sind, bestehen für die höheren Ordnungen keine Ansprüche.

Neben den Blutsverwandten hat auch der überlebende Ehegatte ein gesetzliches Erbrecht. Das Besondere am Erbanspruch der Ehegatten ist, dass deren Ansprüchen bei einem vorzeitigen Tod nicht an deren Familie übergehen.

Sind keine gesetzlichen Erben vorhanden, geht das Erbe an den Fiskus. Wobei im Falle eines überschuldeten Erbes dieser nicht in die Pflicht eintritt, diese Schulden zu übernehmen.

Die Erben der ersten Ordnung

Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers, also dessen Kinder oder, falls diese bereits verstorben sind, deren Kinder (usw.).

Bitte beachten Sie, dass wir hier immer von Blutsverwandten sprechen. Stiefkinder, also Kinder des Ehegatten welche nicht adoptiert wurden, gehören nicht dazu (und müssten ggf. testamentarisch bedacht werden.)

In diesem Falle wird das vorhandene Vermögen durch die Zahl der Kinder geteilt.

Großkinder teilen sich jeweils den Anteil ihres Elternteils. Urgroßkinder entsprechend jenen der Großkinder.

Die Erben der zweiten Ordnung

Erben der zweiten Ordnung sind die eigenen Eltern und bei deren Fehlen deren Kinder, d.h. die eigenen Brüder und Schwestern und deren Abkömmlinge.

Lebt ein Elternteil nicht mehr, treten die Brüder und Schwestern (des Erblassers / der Erblasserin), bzw. deren Abkömmlinge an dessen Stelle.

Die Erben der dritten Ordnung

Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern und deren Abkömmlinge. Leben nur noch die Großeltern, erben diese alleine und zu gleichen Teilen. Lebt ein Großelternteil nicht mehr, treten an dessen Stelle seine Abkömmlinge (Tanten, Onkel), bzw. deren Abkömmlinge (Vettern, Kusinen).

Erbende der vierten Ordnung

Erben der vierten Ordnung sind die Urgroßeltern, bzw. deren Abkömmlinge. Anders als bei den vorangegangenen Ordnungen gehen die Erbansprüche hier jedoch nicht ganz an die nächste Generation über. Vielmehr erhöht sich die Erbquote der verwandtschaftlich am nächsten liegenden Linie um den Anteil der bereits verstorbenen Angehörigen.


Der überlebende Ehegatte

Wenn der Ehegatten des Erblassers noch lebt, verändert sich der gesetzliche Erbteil der Verwandtschaft.

Zum einen reduziert sich die Erbmasse um den so genannten „Voraus“. Dabei handelt es sich um Gegenstände, welche den gemeinsamen Haushalt bildeten (Teppiche, Möbel, Haushaltsgeräte, das familiär genutzte Auto, etc.), nicht jedoch jene Teile, welche dem persönlichen Gebrauch des Erblassers dienten. Der Voraus entfällt, wenn der Ehegatte seinen Anspruch nicht im Rahmen der gesetzlichen Erbteilung erhält, sondern z.B. durch Testament bedacht wird.

Wie hoch der übrige Anspruch des überlebenden Ehegatten ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Sind noch erbberechtigte Verwandten der ersten, bzw. der zweiten Ordnung vorhanden? Wenn ja, wird das Erbe entsprechend den gesetzlichen Regelungen zwischen ihnen und dem Ehegatten aufgeteilt (dazu später mehr) Wenn nicht, fällt ihm das gesamte Vermögen zu.
  2. Der Güterstand, in welchem die Eheleute gelebt haben, entscheidet über die Quoten bei der Aufteilung des Erbes.

Apropos Güterstand

Bitte beachten Sie, dass vor einer erbrechtlichen Auseinandersetzung immer eine güterrechtliche Auseinandersetzung des Vermögen zwischen den Ehegatten erfolgt. Maßgebend für die Aufteilung der Vermögen ist der Güterstand der Eheleute. Erst wenn diese Aufteilung erfolgt ist, kann der Vermögensanteil des Erblassers geteilt werden.

Wir gehen auf diese Problematik im nächsten Teil ein, wenn es darum geht, das Erbe entsprechend den Ansprüchen aufzuteilen.

Wer erbt übrigens nicht (automatisch)?

Die gesetzliche Erbfolge fußt trotz regelmäßigen Anpassungen an die gesellschaftlichen Realitäten auf einer historisch gewachsenen Vorstellung einer idealen Sozialstruktur. Entsprechend ist es auf den ideellen Normalfall ausgerichtet und dieser wiederum auf das klassische Verständnis von Familie.

Und hier kommt das Erbrecht mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Konflikt. Wenn sich alles auf Fortbestand der Sippe konzentriert, geht das zu Lasten alternativer Formen des Zusammenlebens. Das hat Folgen.

Von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen sind deshalb grundsätzlich:

Nicht eingetragene Lebensgemeinschaften

  • Stiefkinder
  • Pflegekinder
  • Geschäftspartner
  • Freunde
  • Hausangestellte
  • Nicht verwandte Pflegepersonen
  • Institutionen
  • Haustiere

 

Sollen diese im Rahmen eines Erbes begünstigt werden, muss dies zwingend auf testamentarischem oder vertraglichem Wege erfolgen.

Unser Tipp:

Nicht adoptierte Stiefkinder und Pflegekinder haben kein gesetzliches Erbrecht. Dies hat zur Folge, dass diese nur über eine Regelung (Testament, etc.) Ansprüche erhalten.

Ist nicht erwünscht, dass Stiefkinder in den Genuss eines Erbteiles kommen, ist trotzdem eine Regelung notwendig, weil im Falle eines überlebenden Ehegatten dieser Anspruch für Teile des Vermögens indirekt wieder entsteht. Gerade in Patchwork-Familien, bei denen beide Ehegatten eigene Kinder in die Ehe gebracht haben, kann dies zu unerwünschten Effekten führen

 

Das Erbrecht unter Ehegatten wird im Bürgerlichen Gesetzbuch behandelt. Mit diesem Link gelangen sie direkt an die entscheidende Stelle. Wenn Sie mehr über das Prinzip des Erbens wissen wollen, lesen Sie auch unsere Folgebeiträge.

Erbrecht unter Ehegatten

Erbrecht unter Ehegatten

Die Zeiten, in denen man wegen eines Kindes heiraten musste, sind zum Glück längst vorbei. Trotzdem ist das erste Kind in vielen Fällen der Auslöser, die bestehende Partnerschaft in einen passenden rechtlichen Rahmen zu bringen. Und das ist eine Heirat aus rechtlicher Sicht auch: Ein klar geregeltes Verhältnis zwischen Mann und Frau. Dieser rechtliche Rahmen mag sich in den vergangenen 100 Jahren stetig verändert haben. Im Grundsatz basiert er aber immer noch auf einem Konzept, welches mit der heutigen Zeit nicht allzu viel zu tun hat. Exemplarisch für diese gewachsene Struktur ist das Erbrecht unter Eheleuten.

Bis dass der Tod Euch scheidet

Beim Erben geht es historisch gesehen darum, die Lebensgrundlage der Sippe zu erhalten. Sippe bedeutet in diesem Zusammenhang in erster Linie die nächste Generation, also die Abkömmlinge: Kinder, Großkinder und Urgroßkinder. Erst danach werden die Eltern, die Geschwister und deren Abkömmlinge bedacht.

Völlig systemfremd ist der Ehegatte. Denn dieser ist zwar der Sippe zugehörig, aber nicht verwandt. Weil aber das Vererben dazu dient, die Blutlinie weiterzuführen, ist das Erbrecht unter Ehegatten irgendwie eine Hilfskonstruktion. Auf jeden Fall hat es wenig mit dem heutigen Leben zu tun.

In der Praxis ist es so, dass man in den meisten Fällen den erbberechtigten Ehegatten mit der Ehefrau gleichsetzen kann. Dafür gibt es zwei einleuchtende Gründe: Noch immer ist die Ehefrau in der Regel jünger als ihr Partner. Und die Lebenserwartung von Frauen ist höher als jene von Männern. Wobei es um die Lebenserwartung verheiratete Männer deutlich besser bestellt ist als bei ledigen.

Trotzdem ist es die Ehefrau, welche in den meisten Fällen erbt.

Beim Erben geht es nicht nur um Geld

Erben ist ein hochemotionaler Vorgang, welcher mit dem reinen Vermögensübertrag wenig zu tun hat. Wir wollen hier aber den Aspekt der verletzten Gefühle, der offenen Rechnungen und der Habgier vieler Menschen einfach einmal ausblenden, sondern uns der Sache rein rational nähern.

Tatsache ist, dass unsere Gesellschaft nicht mehr so organisiert ist, dass das Überleben von der Sippe abhängt. Der wirtschaftliche Fortschritt einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft hat dafür gesorgt, dass jeder einzelne Mensch unabhängig von seiner Familie überleben kann. Und es in den allermeisten Fällen auch problemlos tut. Auf ein Erbe ist man heute also nicht mehr angewiesen – eher auf eine gute Bildung und Ausbildung.

Weshalb das Erbrecht unter Ehegatten heute wichtiger ist wie vor 100 Jahren

Genau genommen besteht die Sippe also nicht mehr im gesamten Familienverbund, sondern nur aus den Eheleuten, welche eine gemeinsame wirtschaftliche Einheit bilden. Zerbricht diese Einheit, zerbricht das wirtschaftliche Fundament. Oft ist es deshalb bei einer Scheidung für die nun getrenntlebenden Ehegatten nicht mehr möglich, denselben Lebensstil zu führen, wie zuvor. Regelmäßig ist es die Frau, welche am meisten darunter zu leiden hat. Dies ist in jenen Fällen besonders deutlich zu sehen, wo die Frau nicht nur Gattin, sondern auch Mutter war. Dieser Funktion opfern Frauen in der Mehrzahl aller Fälle – im Vertrauen auf eine gemeinsame Zukunft – ihre beruflichen Perspektiven. Ob dies nun ganz oder teilweise geschieht, ist nicht von Belang. Alleine der Entscheid führt dazu, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben.

Am einfachsten und deutlichsten lässt sich dies bei der Altersvorsorge zeigen. Vergleicht man nämlich die Ansprüche der Frauen gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung, mit jenen der Männer, wird die wirtschaftliche Tragweite einer Mutterschaft deutlich.

Und genau um diesen Punkt geht es, wenn wir darauf hinweisen, das Erbrecht unter Ehegatten im Zusammenhang mit einer Mutterschaft genau zu betrachten. Mit dem ersten Kind fließt im Todesfall des Vaters, ein großer Teil des Vermögens ab. Wann man nichts dagegen tut.

Nur die private Altersvorsorge schützt vor Altersarmut

In einer Gesellschaft, in welcher die private Altersvorsorge ein zunehmend stärkeres Gewicht bekommt, ist dieser Vorgang für den überlebenden Ehegatten bitter. Besonders bitter für die Ehegattin, denn deren eigene Vorsorge meist schwach und die verbleibende Lebenserwartung lang ist. Sie muss also die Rentenlücke mit weniger Geld auf mehr Jahre verteilen.

Deshalb fordern wir schon junge Mütter dazu auf, sich konkrete Gedanken über das Erbrecht unter Eheleuten zu machen. Nutzen sie die Zeit vor der Geburt ihres ersten Kindes dazu, sich mit Ihrem Mann zu unterhalten und eine gemeinsame Lösung zu finden. Später wird Ihnen die Zeit fehlen und sie werden hundert Gründe finden, dieses Thema auf die lange Bank zu schieben. Bis es zu spät ist und nichts mehr korrigiert werden kann.

Wenn Sie sich dazu entschließen, die Rahmenbedingungen die das Erbrecht unter Ehegatten als Standard vorgibt unverändert zu übernehmen, ist das Ihr gutes Recht. Wenn sie es aber tun, weil sie sich nicht darum gekümmert haben, werden Sie das möglicherweise bitter bereuen. Das muss nicht sein.

 

Mehr zu Thema:

Altersarmut: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/288842/altersarmut

Altersarmut Frauen: https://www.sparkasse.de/themen/finanzielle-unabhaengigkeit-frauen/altersarmut-frauen.html